Mein Baby ist
Monate alt

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? 

"Kannst du dich denn beschäftigen?" Viele Mütter kennen diese mitleidige Frage berufstätiger Frauen. Corinna Knippek hat Antworten darauf, und reagiert gefährlich emotional.

Ein schöner Tag. Nein. Das muss ich anders anfangen: Es wäre ein schöner Tag geworden, wenn ich nicht meine frühere Arbeitskollegin Sabine getroffen hätte. Getroffen, im wahrsten sinne des Wortes.

"Es war auf dem Weg zwischen den Kassen und dem ganz und gar nicht übersichtlichen Parklatz des Supermarktes. Sie stöckelte, ganz elegante Single-Business-Frau, mit drei müden Stangen Lauch in den manikürten Händen über das Pflaster. Ich dagegen schob im Schweiße meines Angesichts meinen Kinderwagen, der voll bepackt war mit Einkäufen. Irgendwo darunter schlummerte mein Sohn Carsten – hoffentlich!

„Wie geht’s?“ fragte ich sie, während ich versuchte meinen Schwertransport trotz starker Schlagseite elegant an ihr vorbei zu mogeln. „Frag nicht,“ lautete die prompte Antwort. Stimmt, das hätte ich besser gelassen. Denn jetzt kam wieder eine Geschichte über ihre Intimfeindin Frau Schmidt. Das ist seit jahren ein Drama in unzähligen Akten. Eigentlich unterhaltsam - wenn Zeit ist. Aber genau die hatte ich heute nicht. Nicht für die schon unter Volldampf plaudernde Sabine. Und leider auch nicht für noch mehr Klatsch und Tratsch. Denn eigentlich musste ich mit Carsten zum Kinderarzt. Und den Kurs für die Rückbildungs-Gymnastik wollte ich heute nicht schon wieder verpassen. Und zu Hause warteten gefühlte 20 Maschinen Wäsche (Die sich immerhin selber bügeln würde. Ich glaubte fest an dieses Wunder!). Und ich musste mich noch um die Anmeldung zum Babyschwimmen kümmern und ums Abendessen. Und zwischendurch würde mein Sohn mehr als einmal auf einen Besuch der Milchbar bestehen. Und bestimmt auch wieder mitten in der Nacht. Und, und, und.

was machst du eigentlich den ganzen tag?
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Ich schaute gequält. Ein Blick, der von Sabine leider gänzlich falsch verstanden wurde: „Schlimm, nicht wahr. Aber wenn ich dir erst erzähle, was letzte Woche im Büro passiert ist...“ Bla, bla bla! Ich hätte schreien können. Netterweise übernahm das Carsten für mich. Habe ich nicht einen tollen Sohn? Der ist jetzt schon einfühlsamer als andere mit vierzig. Ich hob ihn aus dem Wagen, er guckte lieb und lachte Sabine aus. Das half mir beim Lächeln.

Allerdings war der Intriganten-Stadel in Sabines Büro nicht das Einzige, was jetzt zum Himmel stank. Während ich noch überlegte, was ich als erstes tun sollte: Meinen Carsten versorgen oder mein Auto suchen, kam Sabine mir unerwartet zur Hilfe. Denn sie fragte: „Sag mal, was machst du eigentlich den ganzen Tag? Jetzt, wo du nicht mehr arbeitest? Beschäftigst du dich irgendwie?“

Sie hatte ja recht, ich habe so viel Zeit. Und die wusste ich zu nutzen! Als erstes entglitt der volle Wagen meiner schwachen Hand – mit Schwung... Sie wissen, was ich meine? Für das Loch in Sabines Strumpfhose entschuldigte ich mich natürlich sofort.