Mein Baby ist
Monate alt

Kein Braten - kein Baby 

Ein neugeborenes Baby lockt viele Besucher an. Nicht einfach für eine Mutter im Wochenbett. Lernen Sie von Corinna Knippek, wie man sich den Besucherstrom zunutze macht!

Nach neun Monaten intensiver Vorbereitung und langen Stunden noch intensiverer Wehen kam mein Sohn zur Welt. Er war sofort so heiß begehrt wie sonst nur ein WM-Ticket fürs Endspiel: Frisch gebackene Omas, Uromas und -opas, Onkel, Großtanten, Brüder, Cousinen irgendwelchen Grades und natürlich auch die Familie meines Freundes meldeten sich bei meiner besseren Hälfte zu einem Besuch an.

"Doch zunächst lag ich mit meinem Kleinen auf der Entbindungsstation und genoss die Ruhe gemeinsam mit einer Zimmergenossin, die wie ich nur Besuch vom Vater des Kindes bekam. Zufrieden und entspannt verbrachte ich den Tag im Krankenhausbett, mit einem Kissen im Rücken und meinem Sohn auf dem Bauch. Aber innerlich malte ich mir bereits in grellen Farben die Besucherhorden aus, die wie ein Heuschreckenschwarm über unsere kleine Familie herfallen würden. Kaum daheim, würde das für mich Kaffeekochen bedeuten – „Oder doch lieber Tee, Inge?“, außerdem Geschirrspüler einräumen, ausräumen, einkaufen, staubsaugen, „Habt ihr denn keine Servietten?“, Küche aufräumen, kochen... Glücklicherweise fiel mir auch schnell eine Lösung ein. Ein Telefon musste her.

„Mama, es wäre schön, wenn Du für uns alle Hühnerfrikassee mitbringen könntest.“ „Das ist doch nicht Dein Ernst? Ich schenk’ Dir einen Schnellkochtopf, wenn Du Lust darauf hast.“, „Nein, ich wünsche mir, dass Du fertiges Mittagessen für uns alle mitbringst.“ „Das ist kalt, bis wir von Hannover in Berlin sind...“ Es wurde ein langes Telefonat, bis meine Mutter verstand, was ich wollte. Und schließlich reiste sie mit dem Rest der Familie und einem Riesentopf meines Leibgerichtes an, stellte sich in unsere Küche, wärmte das Frikassee auf, wusch anschließend ab und musste mit sanfter Gewalt am Küchengroßputz gehindert werden. „Kind, bleib sitzen, du musst dich erholen. Genieß lieber die Zeit mit Deinem Sohn“, predigte sie mir immer wieder. Und mir war es recht."

kein braten - kein baby
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Unser Konzept „Kein Braten - kein Baby“ machte Schule. Wir hatten nicht nur mehr Zeit für uns drei, sondern kamen erstmals seit Jahren wieder in den Genuss von Königsberger Klopsen, falschem Hasen, selbst gemachtem Apfelstrudel und allerlei anderen Leckereien. Und wir machten interessante Beobachtungen: Bittet man Omas um einen Kuchen, bringen sie auch immer gleich ein Pfund Kaffee mit. Und das Kochen beinhaltet immer auch das anschließende Spülen – wie praktisch!

Meine neue Herausforderung ist es jetzt, meinen Partner davon zu überzeugen, dass er endlich lernen soll so lecker zu kochen wie seine Mutter. Das muss er doch eigentlich in den Genen haben. Und wer weiß, vielleicht werden wir dann auch mal wieder irgendwo zum Baby gucken eingeladen.