Aus einem Persönchen wird langsam eine Person – mit einem ganz eigenen Kopf. Und den will es durchsetzen, notfalls mit Geschrei. Das ist zwar völlig normal, aber trotzdem nicht angenehm.
Die einen früher, die anderen etwas später – doch darum herum kommen werden Sie vermutlich nicht: Im Verlauf des dritten Lebensjahres kommen die meisten Kindern in die sogenannte Trotzphase. Von einer eher harmlosen Bockigkeit über Wutausbrüche mit Brüllen und Auf-den-Boden-werfen bis hin zu vollem Körpereinsatz mit Treten und Schlagen können die Trotzanfälle reichen. Oft treten sie unvermittelt beim gerade noch nettesten Kind der Welt auf. Dann möchten auch die liebevollsten Eltern dieses Kind manchmal am liebsten verschenken.
Der eigene Wille wächst
Trösten Sie sich: So wie Ihnen geht es allen Eltern. Je nachdem wie schlimm es kommt, stehen die meisten Eltern erst einmal ziemlich hilflos vor ihrer kleinen Furie. Doch warum gibt es überhaupt eine Trotzphase? Das liegt daran, dass sich bestimmte Fähigkeiten ungleich entwickeln. Auf der einen Seite entsteht ein Selbstbewusstsein: Im wörtlichen Sinne beginnt Ihr Kind, sich als Person zu begreifen und will selbstständig handeln. Auf der anderen Seite halten die dazu notwendigen Fähigkeiten, die sprachliche und motorische Entwicklung, nicht ganz mit. Man will etwas erreichen, hat aber nicht die Mittel dazu. Das findet niemand gut. Und da ein Kind sich nicht anders zu helfen weiß, wird es wütend.
Außerdem müssen die Kleinen erst begreifen, dass sie nicht die einzigen auf der Welt sind, die Bedürfnisse haben. Natürlich decken sich die Vorstellungen der anderen nicht immer mit den Wünschen von Kleinkindern und auch die Einsichtsfähigkeit der Kinder ist noch sehr begrenzt. Es kann also nicht immer alles so laufen, wie die Kinder es sich vorstellen. Kompromisse eingehen, warten können oder auch mal auf etwas verzichten muss erst gelernt werden. Um ehrlich zu sein, fällt das ja auch so manchem Erwachsenen noch schwer.
Dem Trotzkopf trotzen
Was können Sie tun? Mit am vielversprechendsten ist es, die Situation im Vorfeld zu erkennen. Denn dann haben Sie die Chance, Ihr Kind mit einer anderen Aufgabe, die es leichter bewältigen kann, oder einem anderen Spiel „abzulenken“. Klar, das kann nicht immer gelingen. Zum einen können und wollen Sie Ihr Kind ja nicht in jeder Sekunde im Blick haben. Zum anderen muss ein Kind eben auch lernen, dass etwas mal nicht klappt. Das Kennenlernen der eigenen Grenzen – und auch Grenzen gesetzt zu bekommen – gehört zur Persönlichkeitsentwicklung dazu.
Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, sich sozusagen kontrolliert auszutoben. Lassen Sie zu, dass es wie wild auf einen Karton schlägt oder auf einer Matratze herumhüpft. Versuchen Sie selbst möglichst gelassen zu bleiben, den Überblick zu behalten und es gewähren zu lassen, bis es sich beruhigt. Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Kind weder sich noch andere verletzt. Aber schenken Sie ihm bei einem Tobsuchtsanfall möglichst wenig Aufmerksamkeit. Denn Aufmerksamkeit nimmt das Kind als Bestätigung wahr. Zu versuchen, mit einer Belohnung zu besänftigen, macht im schlimmsten Falle den Wahnsinn zur Methode: ‚Bekomme ich einen Wutanfall vor dem Süßwarenständer an der Supermarktkasse, dann kauft Mama mir einen Schokoriegel.‘ Ausschimpfen oder Drohungen sind erst Recht keine Lösung. Denn dadurch fühlt ihr Kind sich unverstanden und ungerecht behandelt und es wird meist noch schlimmer.
Die Trotzphase überstehen
Wichtig ist in dieser Zeit auch das „sich wieder vertragen“: Denn Ihr Kind lehnt sich zwar gegen Sie auf, aber es lehnt Sie nicht ab, auch wenn Sie mal ein paar Minuten lang die „böse Mama“ sind. Zeigen Sie Ihrem kleinen Trotzköpfchen, dass Sie es weiterhin lieb haben: Durch ein paar Minuten Kuscheln, wenn es vorbei ist, oder durch eine gemeinsame Aktivität, sobald das Kleine wieder ansprechbar ist. Schon das gemeinsame Tisch decken lässt den Normalzustand wieder einkehren und ein „Danke für deine Hilfe“ zeigt Ihrem Kind, dass es doch schon etwas kann.
Einfach ist das nicht, aber versuchen Sie sich trotzdem immer wieder zu sagen: „Das ist nur eine Phase. Die geht vorbei.“ Auch wird Sie niemand für eine Rabenmutter oder einen Rabenvater halten. Vielmehr können Sie sich in der Regel eines tief empfunden Mitleids sicher sein. Was unterwegs helfen kann, ist, mit dem kleinen Wüterich einen kurzen Ortswechsel vorzunehmen, z.B. im Restaurant mal für einen Moment vor die Tür zu gehen. Und wenn die Trotzphase bei Ihrem Kind besonders heftig ist, vielleicht noch ein kleiner Trost: Je intelligenter ein Kind ist, desto schlimmer sind auch meist die Wutanfälle.
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