Die Kinder, die nach einer kurzen Gute-Nacht-Geschichte ganz lieb und von allein die Äuglein schließen sind leider nicht die Regel. Kinder probieren viel aus. Und dazu gehört auch der Versuch, den Sandmann auszutricksen. Aber der kennt ebenfalls ein paar Tricks.
„Ich kann erst schlafen, wenn du mir noch eine Geschichte vorliest.“ Oder: „Ich gehe erst ins Bett, wenn Teddy auch müde ist.“ Das treue Schmusetier wird natürlich nicht müde. Müde werden nur die Eltern wegen der allabendlichen Verlängerungstaktik ihres Sprösslings. Aber was tun? Dazu muss man sich zunächst zwei Dinge klarmachen.
Grundsätzlich ist jedes Kleinkind so weit entwickelt, dass es alleine in seinem Bett schlafen kann. Und in der Regel sollte es auch durchschlafen. Sprich, es muss nicht mitten der Nacht zusätzlich noch etwas zu essen oder zu trinken bekommen. Ausnahmen vom Durchschlafen gibt es, etwa wenn ein Kind krank ist, einen Albtraum hat oder wenn es sehr heiß ist und der Durst sich meldet.
Der zweite Punkt: Kinder lernen durch Nachahmung. Will ein Kind nicht zur gewohnten Zeit ins Bett, ahmt es im Zweifelsfall das Verhalten seiner Eltern nach. Denn die gehen ja auch noch nicht ins Bett. Oder die Kleinen wollen erst ins Bett, wenn der große Bruder ebenfalls geht – auch, wenn der schon 15 ist und gewiss nicht nach dem Sandmännchen schon schlafen muss. Hinzu kommt, dass ein Kind seine Grenzen testet, besonders in der Trotzphase. Gerade dann sind feste Bettgewohnheiten äußert hilfreich.
Bettgewohnheiten und Einschlafrituale
Die Sandmann-Regel Nummer Eins lautet: Die Zeit vor dem Zu-Bett-Gehen sollte möglichst ruhig verlaufen. Wildes Toben oder etwas Aufregendes im Fernsehen anschauen: lieber nicht. Besser ist ein festes Abendritual.
Das kann beispielweise so aussehen: Nach dem Abendessen, wenn’s geht immer zur selben Zeit, ein bisschen Kuscheln und/oder Sandmännchen gucken. Anschließend die Bettvorbereitung: Schlafanzug anziehen, waschen und Zähne putzen. Dann geht’s in Bett. Sind alle Schmusetiere da? Wollen die noch eine Gut-Nacht-Geschichte hören? Ja, unbedingt. Gegebenenfalls noch gemeinsam ein kurzes Gebet sprechen oder ein Lied singen. Danach Licht aus oder Kinderzimmer-Licht einschalten. Und den Gute-Nacht-Kuss nicht vergessen.
Gerade feste Zeiten fürs Schlafengehen sind sehr hilfreich. Denn kleine Kinder gehen meist nicht von selbst ins Bett. Vielmehr wird fröhlich weiter getobt, auch wenn sie eigentlich schon völlig erledigt sind. Und irgendwann sind sie so überdreht, dass die Stimmung ins heulende Elend umschlägt. An einen entspannten Abend ist dann nicht mehr zu denken – auch nicht für Mama und Papa.
Dabei haben Sie sich als verantwortungsvolle Eltern gerade einen entspannten Abend verdient. Dazu noch ein Tipp: Wenn Ihr Kind noch einen sehr ausgiebigen Mittagsschlaf hält, verkürzen Sie diesen Schritt für Schritt. Das kann die Chance verbessern, dass Sie Ihr Kind abends nicht zu spät und pünktlich ins Bett bekommen.
Dabei geht es übrigens nicht um Pünktlichkeit um der Pünktlichkeit willen. Wenn alles seine Ordnung hat, spürt Ihr Kind auch, dass alles in Ordnung ist. Dieses Gefühl von Sicherheit und Vertrauen fördert natürlich auch das Einschlafen.
Ihr Kind findet kein Ende?
Leider hat auch das netteste Abendritual nicht immer die gewünschte Wirkung. Und es kommt vor, vermutlich mehr als einmal, dass nach dem Gute-Nacht-Kuss noch nicht Schluss ist. Oder immer wieder nach Mama bzw. Papa gerufen wird. Versuchen Sie, möglichst gelassen damit umzugehen. Das bedeutet, z.B. nicht direkt aufzuspringen und nachzusehen – es sein denn, es ist ein ernstes Problem. Ruft Ihr Kind immer wieder, versuchen Sie zudem, von Mal zu Mal etwas länger zu warten.
Wenn Sie bei Ihrem Kind sind, machen Sie möglichst wenig Aufhebens. Probieren Sie eine ganz einfache Methode: Geben Sie Ihrem Kind eine kurze Streicheleinheit oder decken es wieder richtig zu. Und dann: „Gute Nacht, mein Schatz, schlaf jetzt schön.“ Gehen Sie dann ohne weitere Aktionen einfach wieder hinaus. Halten Sie sich an dieses Muster auch bei weiteren Besuchen im Kinderzimmer.
Ein Geduldsspiel ist das Anfangs zwar schon, aber es ist erfolgversprechend. Denn einerseits zeigen Sie ihrem Kind, dass Sie da sind. Andererseits ist Ihr Erscheinen aber nicht so interessant, dass Ihr Kind nach endlosen Wiederholungen verlangt. Sehr wichtig ist dabei allerdings, dass Mama und Papa an einem Strang ziehen. Sonst gewinnt der kleine Sandmann-Überlister.
Das Monster unter dem Bett
So sehr – vor allem in der Trotzphase – von Eltern fast eine gewisse Gleichgültigkeit gefragt ist, sowenig gilt das für die Angst eines Kindes vor der Dunkelheit. Sie muss ernst genommen werden. Denn ein Kind kann damit noch nicht alleine umgehen. Doch woher kommt die Angst vor der Dunkelheit?
Mit dem sich entwickelnden Bewusstsein macht Ihr Kind auch die Erfahrung von Verlustängsten. Das Licht geht aus im Kinderzimmer. Mama und Papa sind weg – sie könnten nicht mehr wiederkommen. In dieser Situation ist es sehr wichtig, einem Kind das Gefühl von Geborgenheit zu geben.
Zum anderen lösen sich im Dunkeln bekanntermaßen die gewohnten Orientierungspunkte auf. Für ein kleines Kind sind diese Zusammenhänge aber zu abstrakt. Es „übersetzt“ deshalb eine diffuse Angst in konkrete Bilder. So wird aus dem unbescholtenen Bademantel, der an der Tür hängt, plötzlich eine böse Hexe. Oder unter dem Bett lauert ein Monster. Für ein Kind ist das sehr real. Deshalb kann es helfen, gemeinsam unter dem Bett nachzuschauen und das Dunkelmonster zu verscheuchen. Wie Sie das machen, bleibt Ihnen überlassen: z. B. mit einem Besenstiel, durch lautes Rufen oder durch Leuchten mit einer Taschenlampe. Sie können übrigens auch eine Minute das Fenster öffnen, damit das ganze Gesindel rausfliegen kann – und dann, wenn alle draußen sind, schell wieder zumachen.
Was außerdem noch helfen kann:
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