Kann eine Kinderkrippe meinem Kind schaden? Kann ich es so früh schon in fremde Hände geben? Soviel vorab: Sie können. Und der Krippenbesuch ist auch nicht grundsätzlich schädlich. Erfahren Sie, worauf Sie bei der Wahl der Kinderbetreuung achten sollten und mehr.
Sind Sie eine Rabenmutter, weil Sie Ihr Kind in eine Krippe geben? Nein, sicher nicht! Oft sind Kinderkrippen oder auch Kindertagesstätten (Kitas) schließlich die einzige Betreuungsmöglichkeit, z.B. wenn beide Eltern wieder ins Berufsleben einsteigen wollen.
Natürlich fragen sich alle verantwortungsbewussten Mütter und Väter, was für Einflüsse die „Fremd-Betreuung“ auf ihr Kind hat. Ja, ob sie möglicherweise sogar schadet. Hierüber geistern ja viele, teils sehr krause Gedanken durchs Internet. Einfache Antworten gibt es auf diese Fragen nicht, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Aber eines ist gewiss: In vielen europäischen Ländern werden Kinder sehr früh in Betreuungseinrichtungen gegeben, ohne Schaden davon zu tragen. Und den Begriff der „Rabenmutter“ gibt es nur in Deutschland.
Vor- und Nachteile von Kinderkrippen
Sicher ist: Wenn die Qualität der Betreuung gut ist, fördert das die Entwicklung eines Kindes, z.B. die sprachlichen und sozialen Fähigkeiten. In einer Krippe hat ein Kind zudem im wahrsten Sinne des Wortes mehr Spielraum. Denn hier bekommt es normalerweise zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten, Spielsachen und Anregungen – nicht zuletzt auch durch andere Krippenkinder. Diesen sozialen Faktor darf man nicht unterschätzen, zumal heutzutage viele Kinder ohne Geschwister aufwachsen. Sich von Größeren etwas abzuschauen oder auf kleinere Rücksicht zu nehmen, hilft Kindern dabei, ihren Platz im Leben zu finden.
Auf der anderen Seite werden Krippenkinder im Durchschnitt häufiger krank. Das liegt jedoch ein wenig in der Natur der Sache. Schließlich haben sie auch mehr Kontakt zu anderen Kindern. Damit steigt die Ansteckungsgefahr. Doch das ist, wenn man so will, nur natürlich und nicht wirklich schädlich. Das Immunsystem wird dadurch sogar trainiert.
Entscheidender ist der Punkt, dass der Besuch einer Krippe für ein Kleinkind psychischen Stress bedeuten kann. Anzeichen dafür sind große Anhänglichkeit, Müdigkeit, Hunger oder ein unbestimmtes Kränkeln. Das sollte vermieden werden.
Langsam eingewöhnen
Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Eingewöhnung. Was Eltern wissen sollten: Zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr dauert die Eingewöhnung in der Regel länger und ist schwieriger als nach dem 2. Geburtstag.
Während der Eingewöhnungsphase wird Ihr Kind zunächst nur kurze Zeit in der Krippe sein, während Sie bei ihm sind. Diese Zeit wird langsam gesteigert, irgendwann kann Ihr Kleines dann ein wenig alleine bleiben. Natürlich gibt es unabhängige Kinder, die schon am dritten Tag fröhlich mit den anderen spielen und den Eltern so zeigen, dass sie sich wohl fühlen. Aber Sie müssen einkalkulieren, dass es ein paar Wochen dauert, bis Sie nicht mehr benötigt werden und Ihr Kind tatsächlich „fremdbetreut“ werden kann. Also fangen Sie nicht zu knapp mit der Eingewöhnung an.
Für die erfolgreiche Eingewöhnung ist es notwendig, dass ein Kind eine Beziehung zur Bezugsperson in der Kindertagesstätte aufbaut. Erste und wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass diese Person nicht ständig wechselt. Im Idealfall hat ein Kind während seiner gesamten Krippenzeit eine feste Bezugsperson. Um sicher zu gehen, dass sich ein Kind wirklich wohl fühlt und gefördert wird, müssen aber auch der Austausch und die Chemie zwischen den Betreuern und den Eltern stimmen.
Unsere Checkliste zum Ausdrucken dient Ihnen als Gedächtnisstütze und hilft Ihnen, unterschiedliche Einrichtungen zu vergleichen.
Das ewige Dilemma: Es gibt zu wenig Betreuungsplätze!
Immer wieder Gegenstand heftiger politischer Diskussionen ist die Versorgung mit Krippenplätzen in Deutschland. Während Kinder über 3 Jahren einen rechtlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, gibt es das für die Krippenbetreuung nicht. Zudem herrscht speziell in den alten Bundesländern ein Mangel an Krippenplätzen. In den neuen Bundesländern ist die Lage besser, da das Model Krippenbetreuung zu DDR-Zeiten alltäglicher Standard war. Was haben Eltern also noch für Möglichkeiten?
Alternativen zur Krippe
Eine Alternative zur Krippe ist die Tagesmutter. Hier wird die Krippe im Prinzip privat organisiert. Meistens betreut eine Tagesmutter mehrere Kinder. Umfasst die Gruppe nicht mehr als 3 Kinder, kann jede Frau Tagesmutter sein. Ist sie größer, muss die Tagesmutter über eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt verfügen.
Der Vorteil liegt in der kleinen Gruppe und der festen Bezugsperson. Gerade kleinere oder schüchterne Kinder fühlen sich bei Tagesmüttern meist sehr wohl. Schwierig wird es, wenn die Tagesmutter z.B. krankheitsbedingt ausfällt. Dann muss schnell Ersatz her. Empfehlenswert ist es, für diese Fälle einen Plan B zu haben – Großeltern oder Freundinnen, die dann flexibel einspringen können.
Die Kosten für eine Tagesmutter liegen zwischen 3,– € und 7,– € pro Stunde. Je nach Umfang der Betreuung kann das unter Umständen deutlich teurer werden als ein Krippenplatz.
Eine letzte, sicherlich sehr komfortable Lösung ist eine Kinderfrau, die zur Betreuung ins Haus kommt, oder ein Au-Pair-Mädchen, das bei der Familie wohnt. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil hierbei ist, neben bürokratischen Hürden und sehr hohen Kosten, dass der Austausch mit anderen Kindern fehlt. Außerdem gibt es auch bei den Au-Pairs das problem mit den wechselnden Bezugspersonen: Spätestens nach einem Jahr ist der schmerzvolle Abschied vorprogrammiert.
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