Mein Baby ist
Monate alt

Schreibabys 

Das Kind schreit. Das ist völlig normal, wenn es das einmal tut. Was aber ist los, wenn es gar nicht mehr aufzuhören scheint?

Warum ein Baby schreit

Etwa ab der dritten Lebenswoche sind viele Babys besonders gegen Abend quengelig. Dabei ist es grundsätzlich völlig normal, dass ein Baby schreit. Da es schließlich noch nicht sprechen oder gezielt auf etwas zeigen kann, ist es seine einzige Möglichkeit, auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Doch manche Babys schreien stundenlang, ohne erkennbaren Grund. Diese regelmäßige "Schreistunden" zehren an den Nerven von Mutter und Restfamilie.

Am wichtigsten zu wissen: Trotz des Schreiens fühlt das Baby sich wohl bei Mami und Papi. Das Baby schreit nicht, weil die Eltern etwas falsch machen. Auch Verdauungsprobleme, Blähungen und Bauchschmerzen sind viel seltener die Ursache der "Schreistunden" als früher angenommen. Vielmehr geht die Wissenschaft mittlerweile davon aus, dass die Fähigkeit, die Reize der Welt um sich herum zu verarbeiten, bei jedem Kind verschieden ist. Bei der Mehrzahl der Schreibabys scheint noch eine Unreife der Schlaf-Wach-Regulation und der Steuerung von Erregungszuständen vorzuliegen: Sie können also Umweltreize schlechter verarbeiten, insbesondere bei Reizüberflutung. Diese Probleme verringern sich zwar mit zunehmenden Wachstum von selbst. Aber welche Möglichkeiten haben Sie jetzt, um mit dieser Situation umzugehen?

Selbst ruhig bleiben

Schnell noch ein Schlaflied googeln, das Baby immer wieder hochnehmen – in Aktionismus oder hektische Betriebsamkeit zu verfallen, nutzt leider nichts. Im Gegenteil. Ständig wechselnde Beruhigungsversuche können in den "Schreistunden" die Unruhe des Babys sogar noch steigern. So schwierig das in der Situation ist, aber zunächst einmal müssen die Eltern ruhig bleiben.

Legen Sie beispielsweise im wahrsten Sinne des Wortes eine Atempause ein: Bewusst atmen, am besten am offenen Fenster. Stress beschleunigt die Atmung, langsames Atmen wirkt beruhigend. Atmen Sie also bewusst tief und langsam in den Bauchraum hinein. Beobachten Sie, wie Ihre Bauchdecke sich hebt und senkt, wie Wellen im Wasser…

Versuchen Sie, sich nicht ausschließlich auf das Babygeschrei zu konzentrieren. Erledigen Sie Dinge, die auch wichtig für Sie sind: Aufräumen oder das Abendessen vorbereiten. Nehmen Sie die Hilfsangebote anderer unbedingt an! Der Part¬ner, die Großeltern, eine Freundin oder auch ein Babysitter können Sie bei der Kinderbetreuung ablösen und so wenigstens kurzzeitig für Ihre Entspannung und ein „Durchatmen“ sorgen.

Ihrem Kind hilft in dieser Situation vor allem das Gefühl: Mami oder Papi (oder eine andere Bezugsperson) sind da, ich bin nicht allein! Hierbei ist es wichtig, nicht immer neue Beruhigungsmethoden auszuprobieren oder die Lage des Kindes ständig zu verändern. Statt Vielfalt und Unregelmäßigkeit sollte Ihr Kind Rhythmus und Verlässlichkeit erfahren. Dabei kommt es weniger auf die Art der Methode an, als auf den regelmäßigen, gleich bleiben¬den Ablauf, auf den das Kind sich verlassen kann. Mehr dazu erfahren Sie auch in beistehendem Kasten.

KISS-Syndrom und Schreisprechstunden

Bei lautstarkem Schreien über viele Stunden und wenn die Schreiattacken gar nicht abnehmen, sollte man erst mit fachärztlicher Hilfe organische Ursachen ausschließen (z.B. das KISS-Syndrom, eine Fehlstellung der Halswirbel).

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Wenn dabei nichts Hilfreiches herauskommt und Sie durch die Schreistunden selber stark belastet werden, dann ist es Zeit, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Hebammen und Kinderärzte können Adressen von so genannten "Schreisprechstunden" vermitteln. Adressen, die weiterhelfen, und weitere Tipps zum Umgang mit Schreibabys finden Sie außerdem in unserer Broschüre.

Empfehlungen zum Tagesablauf

Es gibt kein Patentrezept für Beruhigungs- und Einschlafhilfen bei Schreibabys. Wichtiger als die Methode ist die Regelmäßigkeit. Gewöhnen Sie Ihr Baby an bestimmte „Routinen“. Wichtig ist sanftes Vorgehen, ohne Hektik. Hierzu empfiehlt das Team der „Münchner Sprechstunde für Schreibabys“ unter Leitung von Dr. Mechthild Papousˇek folgende Ratschläge zur Strukturierung und Gestaltung des Tagesablaufs:

  • Reizreduktion: Schaffen von gemeinsamen Ruheinseln am Tag – abgedunkeltes Zimmer, sanfte Musik, sanftes Wiegen auf dem Arm, beruhigendes Summen/Zureden/Singen.
  • Übermüdung vermeiden: Regelmäßig nach 1 bis 1,5 Std. Wachzeit allmählich zur Ruhe und frühzeitig zum Schlafen bringen.
  • Schlaf unterstützen: zum Schlafen „Pucken“ des Kindes – enges Wickeln des Babys in ein Tuch, Arme an den Körper, oder im Pucksack. Auf Überhitzung achten, keine zusätzlichen Decken.
  • Zyklischen Wechsel: Einen festen Rhythmus von Aufwachen – Stillen/Fläschchen (anschließendes Nickerchen) – Wachphase – Schlaf anstreben.
  • Ausnutzen von Wachphasen: Entspannte Zwiegespräche, Spielchen und Anregungen – je besser die Wachzeit, umso leichter das Einschlafen, umso geruhsamer der Schlaf.
  • Kritische Schreistunden am Tag oder Abend: überbrücken durch spazieren fahren/spazieren gehen mit Tragetuch/-sack.
  • Auszeit für die Mutter zur eigenen Entspannung: Ablegen des Kindes bei großer Anspannung und Erschöpfung. Erst selbst entspannen, dann das Baby beruhigen.