Sauber und rein - so soll es sein. Aber eine keimfreie Umgebung schadet einem gesunden Baby mehr, als sie nützt.
Muss alles absolut keimfrei sein? Kleinkinder sind anfälliger für Infektionen als Erwachsene. Zudem können sie bei den Kleinen schwerer verlaufen, weil die Abwehrkräfte noch nicht voll entwickelt sind. Deshalb ist es natürlich wichtig, sie vor Krankheitskeimen zu schützen und in der Baby-Umgebung auf Sauberkeit zu achten.
Doch vor übertriebener Hygiene wird mittlerweile gewarnt und auf die „Hygiene-Hypothese“ verwiesen. Diese besagt, dass der mangelnde Kontakt mit Bakterien im Babyalter und in der Kindheit ein wesentlicher Grund für die drastische Zunahme von Allergien in den letzten Jahrzehnten ist.
Andererseits tragen die guten hygienischen Bedingungen in den modernen Industrieländern aber auch dazu bei, dass die Erkrankungsrate und Sterblichkeit von Kindern heute so niedrig ist wie nie zuvor. Am wichtigsten ist dabei die Nahrungsmittelhygiene. D.h. sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel, die nicht durch Krankheitserreger verunreinigt sind.
Sollten Babys nun durch Hygienemaßnahmen geschützt werden, oder trainieren Bakterien ihr Abwehrsystem? Beides ist richtig. Denn damit sich das Immunsystem entwickeln kann, braucht ein Kind gerade in den ersten Lebensjahren die Auseinandersetzung mit Erregern aus dem natürlichen Umfeld. Der Körper lernt auf diese Weise, sein Immunsystem zu trainieren. Aber bei Babys gelten hinsichtlich Sauberkeit noch besondere Regeln, um sie vor Infektionen zu schützen.
Sauber und nicht keimfrei
Besonders bei der Zubereitung des Essens und während der Mahlzeiten ist es wichtig, auf Sauberkeit zu achten. Babys Trinklerntassen bzw. Fläschchen sollten nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und in den ersten Lebensmonaten ausgekocht werden, da Milchreste ein optimaler Nährboden für Bakterien sind. Aus dem gleichen Grund ist es wichtig, Milchnahrung nicht im Voraus zuzubereiten (auch nicht, wenn sie im Kühlschrank aufbewahrt wird). Bei Tellern und Besteck hingegen reicht Abspülen vollkommen aus.
Aber gute Hygiene bedeutet nicht, eine keimfreie Umwelt für das Baby zu schaffen. Deshalb ist es kein Problem, wenn Sie oder ein anderes Familienmitglied mal einen einfachen Schnupfen haben. Vorsicht ist jedoch bei einigen Infektionskrankheiten wie Herpes geboten. Hier sollte bei der Pflege des Kindes ein Mundschutz getragen und ein vom Arzt oder Apotheker empfohlenes Mittel zur Händedesinfektion verwendet werden. Ansonsten haben antibakterielle Desinfektions- und Reinigungsmittel in einem normalen Haushalt nichts zu suchen.
Alles in den Mund nehmen
Völlig normal ist, dass ein Kind beim Spielen z.B. mal etwas Sand oder Erde in den Mund nimmt und womöglich schluckt. Denn die Kleinen prüfen ungefähr bis zum dritten Lebensjahr fast alles noch mit dem Mund. Von natürlichen Dingen geht dabei in der Regel kein Infektionsrisiko aus. Und ein abendliches Bad lässt den Schmutz auf Gesicht und Körper schnell wieder verschwinden.
Das Motto „Dreck reinigt den Magen“ gilt allerdings nicht generell: Sand, der auch als Hundeklo dient, ein Schlüsselbund, der durch viele Hände gewandert ist, oder der Inhalt eines Mülleimers gehören natürlich nicht einmal in kleineren Mengen in Kinderhand bzw. -mund.
Von Kind zu Kind
Ganz automatisch holen sich Babys und Kleinkinder Keime oder Bakterien bei Altersgenossen und vielleicht älteren Geschwistern. Bei aller Sauberkeit und Hygiene kann das nicht vermieden werden. In den meisten Fällen schadet es dem Baby auch nicht. Kleine Infektionen sind sogar wichtig für die Entwicklung und stärken langfristig das Immunsystem. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen kräftigt die körpereigenen Abwehrkräfte zusätzlich.
Gegen Infektionskrankheiten wie Masern oder Mumps sollten Sie Ihr Kind allerdings in jedem Fall impfen lassen, da diese manchmal gefährlich verlaufen können. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Kinderarzt, welche Impfungen in Ihrem Fall sinnvoll sind.
Hygiene-Regeln im Baby-Haushalt
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