Mein Baby ist
Monate alt

Die erste Bindung 

Die erste Bindung: Nichts ist so wichtig für ein Menschenbaby wie die Zugehörigkeit zu seiner Familie. Diese Bindung hat viel mit Gefühl und Verständnis zu tun.

Schon der erste Blick, das erste Saugen an Mutters Brust gehört zur Suche eines Baby nach Bindung. Und umgekehrt weckt das Neugeborene einen Beschützerinstinkt bei seinen Eltern. Oft merken Eltern und Kind sofort, dass sie zusammen gehören.

Besonders wichtig ist für das Baby die Person, die am meisten da ist und sich um seine Bedürfnisse kümmert. Zumeist also die Mutter. Das kann aber auch der Vater oder eine andere liebevolle Pflegeperson sein. Zwei bis drei solcher enger Bezugspersonen kann ein Baby in dieser Lebensphase annehmen.

Warum eine Bindung so wichtig ist

Die Bindung zwischen einem Baby und seiner Familie hat einen ganz natürlichen,
überlebenswichtigen Sinn. Sie entsteht bei uns Menschen, um das Leben des Neugeborenen optimal zu schützen. Denn beim Menschenbaby ist – anders als bei den anderen Säugetieren – diese Bindung besonders bedeutungsvoll, denn es kommt bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase zur Welt. Es muss herumgetragen und versorgt werden.

Bindung liegt in Babys Natur

Ebenso wichtig wie die Zunahme an Größe und Gewicht ist es, wie sich das Baby emotional entwickelt. In der engen Bindung mit den Eltern werden dafür die Grundlagen geschaffen. Sie fördert mehr als alles andere die Entwicklung des Kindes – die körperliche ebenso wie die geistig-seelische.

Weinen, Schreien, Anklammern und Protestieren beim Verlassenwerden – das alles sind wichtige „Bindungssignale“. Indem Sie darauf reagieren, befriedigen Sie das Urbedürfnis des Babys nach Geborgenheit, Trost und Sicherheit. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die besonderen Verhaltensweisen der Babys dazu dienen, diese Bindung bei den Eltern zu festigen.

Ein Baby sendet unbewusst Signale aus: Durch sein niedliches Aussehen mit der hohen Stirn und den großen Augen ebenso wie durch sein Verhalten und seine Mimik – z.B. freudig weit den Mund und die Augen öffnen, die Augenbrauen hochziehen. Diese Signale rufen bei fast allen Erwachsenen Fürsorgeverhalten hervor. Die Fürsorge wiederum ermuntert das Baby, neue Signale auszusenden und so den Kontakt weiterzuführen. Jedes Baby hat dabei schon sein eigenes Temperament und seinen besonderen Charakter.

Den Grundstein legen

Bindung bedeutet, dass sich in der neuen Familie die unterschiedlichen Charaktere aneinander angleichen, eine gemeinsame „Passung“ finden. Während des gesamten ersten Lebensjahres und etwas darüber hinaus wird das individuelle Bindungsmuster zwischen einem Baby und seinen Eltern geprägt.

Was Eltern nach allen Beobachtungen von Wissenschaftlern am meisten brauchen, um dem Baby Bindung zu ermöglichen, sind: Feinfühligkeit, Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit.

Feinfühligkeit entsteht aus Ihrem Gefühl und Ihrer Aufmerksamkeit für das Kind. Verlässlichkeit bedeutet, dass Ihr Baby Ihnen vertrauen und auf Sie zählen kann. Vorhersehbarkeit heißt hier, in ähnlichen Situationen möglichst gleich zu reagieren – nicht mal so und mal anders. Diese drei Eigenschaften legen den Grundstein für das spätere Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit des Kindes.

Sich kennenlernen

Am Anfang müssen Eltern und Kind eine für beide noch neue „Sprache“ lernen.

die erste bindung
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Sie, die Eltern, nehmen am Aussehen und Verhalten Ihres Kindes wahr, wie es ihm geht. An seiner Mimik, am Öffnen und Schließen der Händchen oder an der Art, wie es weint oder schreit oder andere Laute von sich gibt, erkennen Sie, ob es hungrig ist, Schmerzen hat oder spielen will.

Ebenso fühlt Ihr Kind, ob Sie es tröstend berühren und ihm zusprechen, ob Sie verstehen, was es ohne Worte ausdrückt. Sie beide lernen durch diesen zunächst unbewusst ablaufenden Austausch unterschiedlicher Signale, ob Sie verstanden worden sind. Mit jedem Tag geht das besser. Und das Baby meldet Ihnen durch seine Reaktion (mit dem Weinen aufhören, sich entspannen, Mund und Augen freudig aufreißen usw.), dass Sie es richtig verstanden haben.

Mehr noch: Vermutlich werden Sie feststellen, dass Sie intuitiv, also über Gefühlsantennen, Änderungen in den Bedürfnissen Ihres Babys zuverlässig wahrnehmen und entsprechend darauf eingehen. Vertrauen Sie also ruhig Ihrem Instinkt und handeln Sie spontan nach Ihren Gefühlen. Außerdem können Sie und Ihr Baby auch aus Missverständnissen lernen – deshalb, keine Angst vor Fehlern.

Wenn es nicht auf Anhieb „funkt“

Die eigene Überforderung oder ein „schwieriges“ Kind (z. B. Schreibaby) – aus unterschiedlichen Gründen gelingt das Sich-aufeinander-Einstellen nicht immer so, wie man es sich wünscht. Doch auch wenn es zunächst vielleicht schwer fällt, sollten Sie ohne Scheu Unterstützung suchen.

Zuerst natürlich durch stärkere Einbindung des Partners oder durch Hilfe in der Familie. Ruhig aber auch von außen, durch einen familienfremden Berater, der z.B. vom Kinderarzt oder Ihrer Hebamme empfohlen werden kann. Helfen kann außerdem, sich mit anderen frischgebackenen Eltern und ihren Babys zu treffen, wie zum Beispiel in den PEKiP-Gruppen (Hebamme fragen).

Wichtig ist: Denken Sie nicht, dass Sie schlechte Eltern sind, wenn es zwischen Ihnen und Ihrem Baby nicht gleich „funkt“. Jedes Kind ist eben einmalig. Manche sind besonders sensibel oder still und passiv. Andere dagegen sprühen vor Aktivität.

Der rote Faden, der Ihnen immer und auch in schwierigeren Situationen zur Verfügung steht, ist Mitgefühl. Das bedeutet konkret: Versuchen Sie doch einfach, einmal ganz wie Ihr Baby zu empfinden. Sich in seine Hilflosigkeit hinein zu fühlen und nachzuempfinden, wie gut Ihre Nähe tut.

Sie werden sehen: Mitgefühl wird Ihnen wie eine innere Kompassnadel helfen, die Richtung im Umgang mit Ihrem Kind zu finden. Auch wenn Sie einmal nicht weiter wissen. Es führt über das erste „natürliche Grundprogramm“ der Bindung hinaus. So entsteht aus der ersten Bindung durch das sich immer weiter entwickelnde Mitgefühl eine intensive Beziehung.