Mein Baby ist
Monate alt

Entwicklung des Geschmacks 

Wie entwickelt sich der Geschmackssinn? Im Grunde so, wie alles andere auch: durch Übung. Für Ihr Baby ist anfangs jede Speise neu, es muss sie kennenlernen und sich daran gewöhnen.

Der Geschmack Ihres Babys entwickelt sich
Es heißt, dass Säuglinge lieber Süßes als Salziges mögen, dass über den Geschmack bereits im Bauch der Mutter entschieden wird, dass sich die Geschmackssinne mit Einführung der Beikost schulen lassen. Wie aber entwickelt sich Ihr Kleines nach und nach zum Feinschmecker?

Ist der Geschmack angeboren oder erworben? Bei dieser spannenden Debatte gehen die Meinungen der Experten auseinander. Das Baby kommt mit einem genetischen Erbe auf die Welt. Es liebt alles Süße (man braucht sich nur sein Lächeln anzuschauen, wenn es zum ersten Mal einen Löffel Apfelmus probiert), während es bei einer sauren oder bitteren Flüssigkeit sofort das Gesicht verzieht. Diese „angeborene“ Geschmackspalette ist jedoch begrenzt. Sie wird mit der Beikost durch die verschiedensten Geschmacksrichtungen angereichert. Der Geschmack wird tatsächlich ein Leben lang erlernt, aber seine Wurzeln werden bereits während der Schwangerschaft ausgebildet.

Alles beginnt im Mutterleib

Das Geschmacksorgan (die Geschmacksknospen auf der Zunge) entwickeln sich sehr frühzeitig. Ab dem fünften Schwangerschaftsmonat beginnt der Fötus mit der Schulung seiner Geschmackspapillen. Je nachdem was seine Mutter isst, lernt er die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen kennen – süß, salzig, bitter und sauer. Einige Forscher glauben übrigens, dass die ersten Geschmacksvorlieben bereits zu dieser Zeit ausgebildet werden. Eines steht fest: Die Ernähungsweise der Mutter hat Einfluss auf den Geschmack des Fruchtwassers. Andere Studien belegen, dass das Baby umso mehr davon trinkt, je süßer es ist! Darauf lässt sich auch seine spontane Vorliebe für diese Geschmacksrichtung ab der Geburt zurückführen. Sie haben ein kleines Leckermäulchen!

Aber auch wenn das Baby mit einem festgelegten Geschmack geboren wird, ist immer noch alles offen. Seine Vorlieben und seine Abneigungen entwickeln sich, während es essen lernt. Sowohl durch die Muttermilch (deren Geschmack sich ändert - je nachdem, was Sie essen) als auch durch die Beikost. Über Geschmack kann man nicht streiten: Das Baby bildet Stück für Stück seine ganz persönlichen Geschmacks-Vorlieben aus. Ein umfangreiches Programm!

Ein Kind gehört zu einem Kulturkreis

Der Geschmack entwickelt sich natürlich zusammen mit den Gewohnheiten, in die ein Kind hineinwächst. In jedem Land wird anders gekocht und anders gegessen. Das spiegelt sich nicht nur in der Auswahl der Lebensmittel wieder – ein kleiner Afrikaner bekommt natürlich ganz andere Sachen zu essen als ein Kind aus Wuppertal. Auch die Zubereitung unterscheidet sich regional stark. So kennt jedes Kind in Deutschland Eier – aber mit grüner Soße isst es die fast nur in Frankfurt. Und schließlich wird es dieses oder jenes Gericht, das ganz typisch ist für seine Heimat, besonders lieben. Oder auch den Eintopf aus Resten, den es so nur in seiner eigenen Familie gibt. Der Geschmack ist ein Lernprozess mit kulturellem Hintergrund.

Wir Menschen sind Allesesser...

Das Baby ist, genau wie Sie, ein Allesesser: Wir müssen von allem essen, um dem Körper alle Nährstoffe zu liefern, die er braucht. Diese Fähigkeit, die verschiedensten Nahrungsmittel aufzunehmen und uns folglich an jede Umgebung anzupassen, trägt zweifellos mit dazu bei, dass der Mensch so flexibel ist und fast überall leben kann! Trotzdem stürzen auch wir Erwachsenen uns in der Regel nicht sofort auf jede neue Nahrung, das wir sehen.

Bloß nichts Neues!

Genau wie wir, schwankt auch das Baby zwischen Neugier und Abneigung! Wodurch sich auch die Angst vor neuen Lebensmitteln, die so genannte „Nahrungsmittel-Neophobie“, erklären lässt. Diese Phase ist sehr speziell und tritt etwa im Alter von 2 Jahren ein. Das Kind ist weniger abenteuerlustig und verweigert systematisch jedes neue Lebensmittel aus Angst vor dem Unbekannten. Hierbei handelt es sich um eine Übergangsphase, die nicht immer einfach zu bewältigen ist. Sie ist jedoch Teil der psychologischen Entwicklung. Daher ist Geduld angesagt.

Ines erzählt: "Als wir Julian zum ersten Mal Brokkoli gegeben haben, konnten wir uns bei der Grimasse, die er zog, vor Lachen kaum halten. Mein Mann und ich lachen immer noch darüber! Es bedurfte mehrerer Versuche, bevor er ihn mit Freude gegessen hat.“ Der kleine Julian hat sich ganz normal verhalten. Deshalb sollten Sie Ihrem Baby immer jeweils nur ein neues Lebensmittel vorsetzen und müssen dieses manchmal sogar mehrmals anbieten, bis es von ihm angenommen wird!

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Schon als Baby den Geschmack trainieren

Mit Einführung der Beikost, d. h. der Entdeckung neuer Geschmacksrichtungen, beginnt die wichtigste Phase bei der Erweiterung der Geschmackspalette. Dieser grundlegende Lernprozess beginnt im Alter von 5 oder 6 Monaten. Wie können Sie also den Gaumen Ihres Babys schulen? Indem Sie seine Ernährung Monat für Monat altersgerecht variieren. Das Angebot hierfür ist sehr breit. Es wird Ihnen sicher sehr viel Freude bereiten, Ihrem Baby die verschiedenen Geschmacksrichtungen anzubieten und dabei seinen Gesichtsausdruck zu beobachten!

Und vergessen Sie dabei nicht: Je mehr neue Lebensmittel ein Kleinkind vor Beginn der Nahrungsmittel-Neophobie schon kennt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sie während und nach dieser Phase annimmt. Das ist doch ermutigend, oder?

Dran bleiben lohnt sich!

Ganz konkret können Sie Ihrem Kind nach und nach nicht nur die vier Grundgeschmacksrichtungen (salzig, süß, bitter und sauer) anbieten, sondern auch die Temperaturen (warm, lauwarm, kalt) und die Beschaffenheit (weich, knackig, knusprig, schaumig, zart...) abwechseln. Und das Auge isst bekanntlich ebenfalls mit, probieren Sie deshalb farbige Lebensmittel in verschiedenen Formen.

Warum aber sollten Sie sich so viel Mühe mit der Geschmacksentwicklung machen? Ist es nicht so, dass das irgendwann von ganz alleine kommt? Ja, vielleicht. Aber je eher Sie damit anfangen, desto leichter machen Sie es sich. Denn aus Ihrem Baby wird ein Mensch, der sich leicht anpasst, und kein mäkeliges Kind, das immer nur im Essen herumstochert und nach Pommes verlangt. Ihr kleines Leckermäulchen wächst zu einem wahren Feinschmecker heran! Also, auf zu neuen Eindrücken – Sie werden sehen, es ist wirklich spannend!

Carola, Mutter von Victor und Theo, 3 Jahre. 


expert

„Ich habe Zwillinge. Sie sehen sich sehr ähnlich, lachen beide viel und entwickeln sich ziemlich im Gleichschritt. An dem Tag, an dem ich mit der Beikost begann, musste ich jedoch feststellen, dass meine beiden Witzbolde völlig verschieden waren! Victor schlang seinen Karottenbrei nur so in sich hinein, während Theo sein Gesicht zu den unglaublichsten Grimassen verzog. Das Gleiche heute beim Käse: Victor, der kleine Vielfraß, will immer noch mehr und Theo wird davon übel! Was mal wieder beweist, dass der Geschmack von einem zum anderen verschieden ist.“

Der Geschmack: ein Sinn, der sich entwickelt
  • Von der Geburt bis etwa 6 - 7 Monate ist eine deutliche Vorliebe für Süßes zu erkennen.
  • Mit 8 bis 10 Monaten gewinnt das Salzige gegenüber dem Süßen.
  • Bis 12 Monate bemerkt man, dass Saures und Bitteres nicht sehr gemocht, aber auch nicht unbedingt abgelehnt werden.
  • Zwischen 18 und 24 Monaten beginnt das Baby, seine Essgewohnheiten zu behaupten, die zur Herausbildung seiner Persönlichkeit beitragen.
  • Ab 24 Monaten kann die Phase der Angst vor neuen Lebensmitteln beginnen. Das bedeutet, dass das Baby seinen Geschmacksradius und seine geschmacklichen Vorlieben - vorübergehend - einschränken wird.